Kaum eine Atari-Konsole erzählt eine so tragische Geschichte wie der Atari 7800 ProSystem. Technisch clever, mit einer klugen Idee für Rückwärtskompatibilität ausgestattet – und trotzdem zwei entscheidende Jahre zu spät auf dem Markt.
1984 fertig, aber erst 1986 im Handel
Der 7800 wurde bereits 1984 als Nachfolger des 2600 und 5200 fertig entwickelt und sogar kurz ausgeliefert. Dann kam der große Videospiel-Crash, Atari geriet in finanzielle Turbulenzen und wurde an die Familie Tramiel verkauft, die zunächst ihre gesamte Energie in den neuen Atari ST steckte. Der fertige 7800 landete für zwei Jahre im Lager – erst 1986 kam er regulär in den Handel. In dieser Zeit hatte Nintendo mit dem NES längst den nordamerikanischen Markt für sich beansprucht.
Eine clevere technische Idee: Kompatibilität von Tag eins
Was den 7800 besonders macht: Er konnte von Anfang an die riesige bestehende Bibliothek an Atari-2600-Cartridges abspielen – ein cleverer Schachzug, um Besitzern des alten Systems einen einfachen Umstieg zu bieten. Die Grafikhardware (der MARIA-Chip) erlaubte deutlich mehr Farben und größere, flüssigere Sprites als der 2600, ohne dabei so komplex und teuer zu sein wie manche Konkurrenzsysteme.
Eine solide, aber zu kleine Bibliothek
Trotz des verspäteten Starts brachte der 7800 einige bemerkenswerte Titel hervor – darunter echte Geheimtipps wie das bizarre Ninja Golf oder den unterschätzten Lichtpistolen-Shooter Alien Brigade. Insgesamt blieb die Bibliothek mit rund 60 offiziellen Titeln aber deutlich kleiner als die der Konkurrenz von Nintendo und später Sega.
Warum der 7800 heute unterschätzt wird
In der öffentlichen Wahrnehmung wird der 7800 oft übersprungen – zwischen dem legendären 2600 und dem musikalisch geprägten Atari ST gerät er leicht in Vergessenheit. Dabei bietet die Konsole spielerisch einiges, was man auf keinem anderen System dieser Ära findet, und ist für Sammler heute ein spannender, noch vergleichsweise erschwinglicher Einstieg in die Atari-Konsolenwelt.
Sammlerwert und Einstieg heute
Im Vergleich zu raren 2600- oder Jaguar-Cartridges sind viele 7800-Spiele noch zu fairen Preisen zu finden, auch wenn Nischentitel mit den Jahren im Preis steigen. Für Einsteiger lohnt sich ein Blick auf Komplett-Sets mit Konsole, Controllern und Netzteil, bevor man sich einzelnen Spielen zuwendet.
Trivia
- Der 7800 wurde ursprünglich unter einem anderen internen Codenamen entwickelt, bevor der endgültige Name feststand.
- Trotz technisch überlegener Hardware verzichtete Atari beim Launch zunächst auf einen eigenen, dedizierten Soundchip – Musik lief über den einfacheren TIA-Chip des alten 2600.
- Die Konsole wird bis heute von einer aktiven Homebrew-Szene mit neuen Spielen versorgt.
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