Als der Atari 7800 1990 mit Alien Brigade einen waschechten Lichtpistolen-Shooter erhielt, war das Genre auf Heimkonsolen noch relativ jung. Trotzdem geriet dieser solide, stimmungsvolle Titel fast vollständig in Vergessenheit – ein klassischer Fall von „falsches System, falsche Zeit“.
Außerirdische Invasion, hausgemacht bei Atari
Intern von Atari selbst entwickelt, wirft dich Alien Brigade in eine simple, aber effektive Rahmenhandlung: Außerirdische haben die Erde infiltriert, und du räumst Level für Level mit ihnen auf – wahlweise mit dem regulären Joystick oder, deutlich stimmungsvoller, mit Ataris eigenem Lichtpistolen-Zubehör XG-1.
Mehr als nur „drauf ballern“
Was Alien Brigade von simpleren Schießbuden-Titeln abhebt, ist sein Leveldesign: Statt nur stumpf auf alles zu feuern, was sich bewegt, verlangt das Spiel taktisches Vorgehen, Zielgenauigkeit unter Zeitdruck und das Erkennen von Umgebungsgefahren. Für ein Konsolenspiel von 1990 bietet es überraschend viel Abwechslung zwischen den einzelnen Abschnitten.
Zwei Steuerungsoptionen, ein Problem
Die größte Hürde für den Erfolg des Spiels war ironischerweise seine größte Stärke: Ataris Lichtpistole XG-1 war kein Standardzubehör, das jeder 7800-Besitzer im Schrank hatte. Wer keine Pistole besaß, konnte zwar mit dem normalen Controller spielen, verpasste dabei aber einen erheblichen Teil des eigentlichen Erlebnisses – ein Zubehör-Dilemma, das viele Lichtpistolen-Spiele dieser Ära teilten.
Ein Opfer des Timings
1990 kämpfte der 7800 ohnehin schon gegen die technische und kommerzielle Übermacht von NES und dem aufstrebenden Sega Mega Drive. Ein weiteres solides, aber nicht revolutionäres Spiel in dieser Situation zu vermarkten, war eine Herausforderung, an der letztlich auch Alien Brigade scheiterte – nicht am Spiel selbst, sondern am Umfeld, in dem es erschien. Die ganze Geschichte des Systems findest du in unserem 7800-Hardware-Artikel.
Warum es heute eine Wiederentdeckung wert ist
Wer sich für die Frühgeschichte von Lichtpistolen-Shootern interessiert – ein Genre, das später mit Titeln wie Duck Hunt oder Time Crisis riesig wurde –, findet in Alien Brigade ein spannendes, oft übersehenes Kapitel dieser Entwicklung.
Trivia
- Die XG-1-Lichtpistole funktionierte nach dem klassischen Prinzip der Bildschirm-Timing-Erkennung, wie es später auch NES- und Mega-Drive-Lichtpistolen nutzten.
- Das Spiel gehörte zu den letzten großen Eigenentwicklungen, die Atari selbst für den 7800 herausbrachte, bevor sich der Fokus des Unternehmens weiter auf den Atari ST und die Lynx-Handheld-Konsole verlagerte.
- Komplette Sets inklusive funktionierender XG-1-Pistole gehören heute zu den gesuchteren 7800-Sammlerstücken.
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