Es gibt Spiele, die von der Kritik gefeiert werden und trotzdem kommerziell scheitern – nicht wegen mangelnder Qualität, sondern wegen der Plattform, auf der sie erscheinen. Tempest 2000 für den Atari Jaguar ist eines der eindrücklichsten Beispiele dafür in der gesamten Videospielgeschichte.

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Ein Neustart für einen Arcade-Klassiker

1994 überarbeitete der britische Entwickler Jeff Minter (bekannt für sein Studio Llamasoft) den 1981er-Arcade-Klassiker Tempest von Grund auf. Aus dem simplen Vektorgrafik-Shooter wurde eine rasante, psychedelische Neuinterpretation mit pumpendem Techno-Soundtrack, zusätzlichen Spielmodi und einer visuellen Reizüberflutung, die für 1994 ihresgleichen suchte.

Kritikerlob von allen Seiten

Fachmagazine überschlugen sich mit Lob: Tempest 2000 gilt bis heute in zahlreichen Rückblicken als eines der besten Spiele, die je für den Jaguar erschienen sind – manche Stimmen zählen es sogar zu den besten Remakes eines Arcade-Klassikers überhaupt. Das schnelle, hypnotische Gameplay in Kombination mit dem treibenden Soundtrack machte es zu einem Erlebnis, das viele Spieler jener Zeit als seiner Zeit weit voraus beschrieben.

Das Problem: kaum jemand besaß einen Jaguar

Der Atari Jaguar, Ataris letzter Versuch, in den Konsolenmarkt zurückzukehren, kämpfte von Anfang an gegen eine winzige installierte Basis, verwirrende Vermarktung als „erste 64-Bit-Konsole“ und eine dünne Softwarebibliothek. So gut Tempest 2000 auch war – es erreichte schlicht kaum Spieler, weil kaum jemand die Hardware besaß, auf der es lief.

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Ein Geheimtipp, der zum Kult wurde

Gerade weil so wenige Menschen Tempest 2000 zur Erscheinungszeit spielten, entwickelte sich das Spiel in den folgenden Jahrzehnten zu einem der meistzitierten „Hidden Gems“ der gesamten Retro-Szene. Es taucht regelmäßig in Listen der besten, am meisten unterschätzten Spiele aller Zeiten auf – ein seltener Fall, in dem kommerzielles Scheitern und kritischer Ruhm meilenweit auseinanderklaffen.

Warum es sich lohnt, es heute nachzuholen

Spätere Neuauflagen von Jeff Minters Konzepten bauen direkt auf den Ideen von Tempest 2000 auf – wer die Wurzeln dieser Reihe verstehen will, kommt an diesem Jaguar-Titel nicht vorbei. Ein faszinierendes Kapitel einer Konsole, deren volle Geschichte einen eigenen Artikel verdient hätte, den wir in einem kommenden RetroBitVault-Beitrag nachliefern.

Trivia

  • Jeff Minter ist bekannt für seine Vorliebe für psychedelische visuelle Effekte, die er bis in aktuelle Projekte konsequent weiterverfolgt.
  • Der Original-Arcade-Tempest von 1981 nutzte noch echte Vektorgrafik-Monitore statt klassischer Rastergrafik.
  • Aufgrund der geringen Stückzahlen gehören Jaguar-Module wie Tempest 2000 heute zu den teureren Sammlerstücken der gesamten Atari-Geschichte.

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