Peitsche, Fallen, Höhlenlabyrinthe voller tödlicher Überraschungen – Rick Dangerous machte 1989 keinen Hehl aus seinen Inspirationsquellen. Und doch schuf Core Design mit diesem Plattformer ein eigenständiges, gnadenlos schweres Spiel, das heute viel zu selten erwähnt wird.
Indiana Jones lässt grüßen
Der britische Entwickler Core Design – später berühmt für Tomb Raider – schickte mit Rick Dangerous einen Abenteurer im Stil klassischer Pulp-Helden auf die Jagd nach verlorenen Schätzen: durch Dschungeltempel, gefährliche Höhlensysteme und feindliche Militärbasen. Die Ähnlichkeit zu Indiana Jones war gewollt und offensichtlich – und trug maßgeblich zur sofortigen Vertrautheit des Spiels bei.
Trial-and-Error als Designprinzip
Was Rick Dangerous bis heute unverkennbar macht, ist sein gnadenloses Schwierigkeitsdesign: Fallen sind oft unmöglich vorherzusehen, bevor man sie zum ersten Mal auslöst – Pfeile aus der Wand, einstürzende Böden, Speere aus dem Nichts. Der einzige Weg zum Erfolg führt über Auswendiglernen durch wiederholtes Sterben, ein Designprinzip, das man aus heutiger Sicht kontrovers diskutieren würde, das damals aber viele Spieler stundenlang fesselte.
Warum es auf dem ST besonders gut ankam
Auf dem Atari ST profitierte Rick Dangerous von einer überzeugenden Umsetzung der Amiga-Originalversion, mit stimmungsvoller Pixelgrafik und treffsicherer Steuerung. In deutschen Computerzeitschriften wurde das Spiel regelmäßig als Härtetest für die Nervenstärke der Leserschaft präsentiert – ein fester Bestandteil vieler ST-Sammlungen jener Jahre.
Der Fall in die Vergessenheit
Trotz eines Nachfolgers verschwand die Serie mit dem Ende der 16-Bit-Ära weitgehend von der Bildfläche. Core Design konzentrierte sich in den 90ern zunehmend auf 3D-Titel, allen voran das enorm erfolgreiche Tomb Raider – wodurch der ursprüngliche Held Rick Dangerous im Schatten seines späteren, deutlich berühmteren „Nachfolgers“ Lara Croft fast vollständig verschwand.
Eine Wiederentdeckung wert
Für Fans harter, altmodischer Plattformer bietet Rick Dangerous auch heute noch einen eigenwilligen Reiz – kompromisslos, humorvoll-morbide und mit einem klaren Bezug zur goldenen Ära des Atari ST, die wir in unserem ausführlichen Hardware-Porträt beleuchten.
Trivia
- Rick Dangerous besitzt keine Zwischenspeicherung während eines Levels – jeder Fehler bedeutet in der Originalversion oft einen kompletten Neustart des Abschnitts.
- Core Design ging aus einem früheren Studio-Umfeld hervor, bevor der eigene Name als Marke etabliert wurde.
- Der comicartige Zeichenstil der Zwischensequenzen beeinflusste sichtbar spätere Werke des Studios.
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