Während der Atari 2600 die Wohnzimmer eroberte, startete Atari 1979 parallel einen zweiten Angriff – diesmal auf den Schreibtisch. Mit dem Atari 400 und Atari 800 brachte das Unternehmen zwei Heimcomputer auf den Markt, die technisch ihrer Zeit weit voraus waren und in Deutschland zu echten Kult-Maschinen wurden.
Zwei Modelle, eine Vision
Der Atari 400 war die günstigere, robustere Variante mit einer Folientastatur, gedacht als kindersicherer Einstieg. Der Atari 800 richtete sich mit einer waschechten mechanischen Tastatur und mehr Speicher an ambitionierte Nutzer. Beide teilten sich dieselbe fortschrittliche Grafik- und Soundtechnik – für 1979 eine Sensation.
Der Grafikchip, der seiner Zeit voraus war
Herzstück der Atari-8-Bit-Reihe waren die Custom-Chips ANTIC und CTIA/GTIA, die flüssige Scrollings, viele gleichzeitige Farben und Sprite-Grafiken ermöglichten, während Mitbewerber noch mit deutlich einfacherer Technik arbeiteten. Der POKEY-Soundchip sorgte zusätzlich für Musik und Effekte, die vielen Ohren damals wie Zukunftsmusik klangen. Diese Technik erklärt, warum viele Atari-8-Bit-Spiele bis heute erstaunlich gut aussehen und klingen.
Der zweite Frühling: XL- und XE-Serie
1983 folgte mit der XL-Serie (u. a. 600XL, 800XL) ein schlankeres, günstigeres Redesign, 1985 dann die XE-Serie (65XE, 130XE) im neuen, kantigen Design – optisch bereits stark an den kommenden Atari ST angelehnt. Diese späteren Modelle machten die Plattform noch einmal deutlich erschwinglicher und verlängerten ihr Leben bis in die späten 1980er Jahre.
Warum die Plattform in Deutschland besonders stark war
In deutschen Kinder- und Jugendzimmern der 80er standen Atari-8-Bit-Rechner oft gleichberechtigt neben dem Commodore 64 – angeheizt durch eine lebendige Fachpresse, die Programmiertipps, Testberichte und Typprogramme zum Abtippen lieferte. Wer damals stundenlang BASIC-Listings aus Computerzeitschriften abtippte, tat das mit ziemlicher Sicherheit auch auf einem Atari 400 oder 800.
Software-Highlights abseits der bekannten Namen
Neben bekannten Titeln wie Boulder Dash brachte die Plattform auch waschechte Geheimtipps hervor – etwa das atmosphärische Rescue on Fractalus! von Lucasfilm Games, eines der ersten Spiele des späteren LucasArts-Imperiums. Wir haben dem Spiel einen eigenen ausführlichen Artikel gewidmet.
Sammlerstatus heute
Atari-8-Bit-Computer sind heute günstiger einzusteigen als viele glauben – funktionierende 800XL-Geräte finden sich regelmäßig auf Online-Marktplätzen und Flohmärkten. Wer nicht nach Originalhardware suchen möchte, kann per Emulator (z. B. Altirra) oder modernen SD-Karten-Lösungen tausende Spiele direkt von der Speicherkarte laden – ganz ohne brüchige Disketten.
Trivia
- Der Atari 800 wurde intern unter dem Codenamen „Colleen“ entwickelt, der Atari 400 als „Candy“.
- Einige der Chip-Ingenieure hinter der 8-Bit-Technik arbeiteten später am Amiga-Chipsatz mit – ein interessanter, oft übersehener Stammbaum der Computergeschichte.
- Die XE-Serie wurde später sogar in einem Hybrid-Gerät namens Atari XEGS als reine Spielkonsole mit Tastatur vermarktet.
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